Gedanken zum Mitnehmen: Aus einer Aufnahme von Wolfgang Reichl-Furthner — über Therapie, Stillstand und den Blick nach vorn. → Zu den 4 Werkzeugen

Mentaltraining zusätzlich zur Therapie

„Ich bin in Therapie. Bringt Mentaltraining zusätzlich überhaupt etwas?"

Die ehrliche Antwort einer klinischen Psychologin, die sich selbst nicht mehr helfen konnte: Therapie ist stark darin, zu verstehen, woher etwas kommt. Aber wer zeigt dir, wohin du gehen sollst? Genau dort setzt Mentaltraining an — als Ergänzung, nicht als Ersatz.

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Lesezeit ~6 Minuten · Mentaltraining-Klartext, kein Ratgeber-Sprech
Wolfgang Reichl-Furthner — Mentaltrainer, nachdenkliches Portrait
1 × 50 Min.
pro Woche dauert die klassische Stunde — die restlichen 167 Stunden bist du allein
~3 Stunden
dauerte das eine Coaching, von dem die Psychologin noch Monate später sprach
4 Werkzeuge
fürs tägliche Denken — morgens, unterwegs, abends. Genau darum geht es hier
Vielleicht kennst du dieses Gefühl

Reden tut gut. Und trotzdem: Es geht nichts weiter.

Wolfgang hört diese Sätze seit 20 Jahren in seinen Seminaren — von Menschen, die den Weg der Therapie gewählt haben und froh darüber sind. Und die trotzdem spüren, dass etwas fehlt. Vielleicht ist einer dieser Sätze deiner.

Die alten Geschichten
„Man dreht sich in den alten Geschichten, man erwähnt wieder Altes — und irgendwie das Gefühl, es geht nichts weiter."
Das Warten
„Bis ich überhaupt einen Termin bekommen habe, sind Monate vergangen. Und dazwischen? Nichts."
Die Uhr
„Jetzt sind unsere 50 Minuten vorüber, wir machen nächste Woche an genau dieser Stelle weiter." — genau dann, wenn es gerade ernst wurde.
Der Morgen danach
„In der Stunde verstehe ich vieles. Aber am Dienstagmorgen um 6:30, wenn die Schwere wieder da ist — da bin ich allein damit."
Die fehlende Schule
„Wir haben es nie gelernt. Wir haben es in der Schule nicht gelernt, wie man richtig denkt, dass man aus Problemen wieder rauskommt."
Die Wahrheit darunter
Verstehen, woher etwas kommt, ist nicht dasselbe wie wissen, wohin du willst. Genau hier setzt Mentaltraining an.
Wolfgang Reichl-Furthner — Mentaltrainer, Portrait
Eine wahre Geschichte aus Wolfgangs Coaching

Die Psychologin, die sich selbst nicht mehr helfen konnte.

Eines Tages saß eine klinische Psychologin in Wolfgangs Coaching. Top ausgebildet, jahrelange Praxis — und am Ende ihrer eigenen Möglichkeiten:

„Herr Reichl, ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Ich bin top ausgebildet, ich wäre eigentlich ein Profi — und ich kann mir selbst nicht mehr helfen."

— ihre ersten Sätze im Coaching

Ihr Leben war eng geworden. Auch der Austausch mit den eigenen Kolleg:innen brachte sie nicht weiter — „irgendwie scheinen wir anzustehen". Ein Bekannter sagte ihr schließlich: „Gehen Sie doch zum Herrn Reichl, der hat ein paar interessante Ideen."

Das Coaching dauerte knappe drei Stunden am Stück — kein Blick auf die Uhr, kein „nächste Woche weiter". Rund drei Monate später läutete Wolfgangs Telefon: „Sie werden es mir nicht glauben. Ich stehe jetzt besser da als je zuvor. Es geht mir wieder richtig gut." Und dann sagte sie den Satz, der diese ganze Seite trägt:

„Wir als Psychologen kramen immer in der Vergangenheit und können tatsächlich herausfinden, wo das Problem herkommt. Aber wissen Sie, wo wir ein Problem haben? Wir haben keine Ahnung, was wir mit der Zukunft anfangen sollen. Wir haben das auch nie gelernt."

— die klinische Psychologin, am Telefon, drei Monate später

Sie schickte Wolfgang danach immer wieder Menschen aus ihrem eigenen Umfeld. Nicht, weil Mentaltraining „besser" wäre als ihre Arbeit — sondern weil es etwas anderes tut: Es beantwortet die Frage nach dem Wohin.

Kein Entweder-Oder — zwei verschiedene Aufgaben

Therapie schaut zurück und versteht. Mentaltraining schaut nach vorn und trainiert.

Das eine ersetzt das andere nicht. Es sind zwei Blickrichtungen — und wer beide kennt, versteht sofort, warum sie sich so gut ergänzen können.

Blick zurück — die Stärke der Therapie
„Woher kommt es?"
  • Ursachen verstehen, Muster erkennen, Altes einordnen
  • Ein geschützter Raum mit einer Fachperson
  • Wertvoll — und für viele Menschen genau richtig
  • Die Falle dabei: Wird die Stunde zum wöchentlichen Ventil, beruhigt das kurzfristig — und verpufft nach ein paar Tagen
  • Und: Verstehen allein gibt noch keine Richtung
Blick nach vorn — die Aufgabe des Mentaltrainings
„Wohin will ich?"
  • Werkzeuge fürs tägliche Denken — jeden Morgen neu
  • Raus aus der Grübelschleife, rein in die konstruktive Schleife
  • Sinn, Richtung, Zukunftsfokus — trainierbar wie ein Muskel
  • Das Ziel ist Selbstwirksamkeit: Werkzeuge, die dich unabhängig machen — nicht ein Termin, den du für immer brauchst
  • „Die Vergangenheit ist sowieso schon vorüber."
Was die Forschung dazu sagt

Vier Dinge über die Wochenstunde, die kaum jemand ausspricht.

Das ist keine Abrechnung mit der Therapie — viele Therapeut:innen sehen diese Punkte selbst kritisch und arbeiten längst anders. Aber wer in einer Therapie steckt und sich über den Stillstand wundert, sollte diese vier Dinge kennen.

Konvention, keine Wissenschaft
Die 50 Minuten stammen aus Freuds Praxisalltag.
Die klassische „Stunde" ist historisch gewachsen: Freud nahm 50 Minuten, um zwischen zwei Klienten 10 Minuten für Notizen und Durchatmen zu haben. Später übernahmen Kassen- und Honorarsysteme genau dieses Raster, weil es perfekt in die Stundentaktung passt. Einen wissenschaftlichen Beleg, dass 50 Minuten die optimale Länge für Veränderungsprozesse sind, gibt es nicht.
Herkunft der 50-Minuten-Stunde: fachhistorisch gut dokumentiert
Door-Knob-Phenomenon
Das Wichtigste kommt, wenn die Hand schon an der Türklinke ist.
In der Fachwelt hat das Phänomen sogar einen Namen: Erst gegen Ende der Stunde trauen sich viele Menschen an das eigentliche Thema heran — das feste Zeitlimit wirkt dabei wie ein Sicherheitsnetz: Man kann das Schwere ansprechen, ohne lange darin bleiben zu müssen. Nur: Bricht die Stunde genau dort ab, wird der Moment künstlich zerschnitten statt zu Ende geführt — und es braucht viele Folgestunden, um wieder an denselben Punkt zu kommen.
„Door-knob disclosure" — etablierter Begriff der Therapie-Fachliteratur
Der Gegen-Trend
Eine wachsende Gruppe von Therapeut:innen setzt auf lange Intensiv-Sitzungen.
„Therapy Intensives" — mehrstündige, ununterbrochene Sitzungen statt Wochentakt — sind ein echter Trend in der Fachwelt. Der Grund liegt im typischen Verlauf einer Sitzung: In den ersten ~20 Minuten ist das Nervensystem noch im Ankommen und in der Abwehr. Erst danach werden tiefere Schichten erreichbar — und gegen Minute 40–50 sucht das System bereits wieder nach Entlastung. Tiefe braucht Zeit am Stück. Wolfgangs Einzel-Coachings dauern aus genau diesem Grund rund drei Stunden.
Wachsende Praxis v. a. in der modernen Trauma-Arbeit
Die Schattenseite des Rückwärts-Grabens
Eine US-Studie zeigt, wie riskant reine Ursachen-Suche werden kann.
In einer repräsentativen US-Befragung (n = 2.326) berichteten 9 % der Therapie-Klient:innen, dass ihr Therapeut die Möglichkeit verdrängter Kindheits-Übergriffe ins Spiel brachte. Wer das erlebte, berichtete 20-mal häufiger „wiedergefundene" Erinnerungen, an die es vorher keinerlei Erinnerung gab. Kein Vorwurf an einen Berufsstand — aber ein Beleg, wie viel Verantwortung im Rückwärts-Graben liegt. Und ein Grund mehr, den Blick auch nach vorn zu richten.
Patihis & Pendergrast (2019), Clinical Psychological Science
Was Mentaltraining konkret tut

Vier Werkzeuge für die 167 Stunden zwischen den Stunden.

Der Mentaltrainer ist nicht der Therapeut — und will es nicht sein. Er gibt dir Werkzeuge fürs tägliche Denken. Das sind die vier, mit denen Wolfgang seit 20 Jahren arbeitet.

WERKZEUG 1
Die Morgen-Ausrichtung
Jeden Tag in der Früh neu ausrichten — bevor der Tag dich ausrichtet. Ein kurzer Impuls, der den Blick dem Konstruktiven zuwendet statt dem Negativen. Nicht irgendwann. Morgens, als Erstes, jeden Tag.
WERKZEUG 2
Die Grübelschleife stoppen
Bemerken, wenn du dich gedanklich verrennst — stoppen — und bewusst fragen: „Was wäre hilfreich? Was bringt mich in meinem Leben weiter?" So steigst du aus der Grübelschleife aus und in die konstruktive Schleife ein.
WERKZEUG 3
Die Tagesreflexion
Mehrmals am Tag kurz draufschauen: Wo stehe ich gerade? Wie geht es mir gerade? Habe ich mich schon wieder irgendwo verrannt? Diese kleinen Checkpoints verhindern, dass ein schwerer Gedanke unbemerkt den ganzen Tag übernimmt.
WERKZEUG 4
Die Ruhe-Werkzeuge
Meditation, Entspannungsübungen, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Werkzeuge, die den Körper in die Ruhe bringen — und damit die Selbstregulation stärken, aus der neue Kraft entsteht.
So sieht das im Alltag aus

Ein Tag mit Mentaltraining — neben der Therapie, nicht statt ihr.

Die Therapiestunde bleibt, wo sie ist. Dazwischen bekommt dein Tag eine Struktur, die dich trägt — ein paar Minuten, drei Mal am Tag.

Wann Werkzeug Warum es zählt
Morgens, als ErstesMorgen-Ausrichtung (Werkzeug 1)Der erste Gedanke des Tages stellt die Weichen — bevor die Schwere es tut.
Untertags, sobald das Grübeln beginntSchleife stoppen (Werkzeug 2)„Stopp — was wäre hilfreich? Was bringt mich weiter?" Eine Frage, die die Richtung dreht.
Mittags & nachmittags, 1 MinuteTagesreflexion (Werkzeug 3)Wo stehe ich gerade? Kleine Checkpoints statt böses Erwachen am Abend.
AbendsRuhe-Werkzeuge (Werkzeug 4)Meditation oder Jacobson — der Körper lernt wieder, in die Ruhe zu finden.
1 × pro WocheDeine Therapiestunde — unverändertDer geschützte Raum bleibt. Du kommst nur anders hinein: klarer, geordneter, mit Material aus deiner Woche.

Genau nach dieser Logik ist die 90-Tage-Transformation aufgebaut: jeden Morgen ein Impuls, 90 Tage lang.

Was du dich jetzt vielleicht fragst

Die ehrlichen Fragen — ehrlich beantwortet.

Soll ich meine Therapie beenden, wenn ich Mentaltraining mache?
Nein. Wolfgang sagt es im Original selbst: „Ich möchte nicht sagen, dass derjenige die Therapie beenden sollte — es könnte eine hilfreiche Ergänzung sein." Mentaltraining ergänzt eine Therapie, es ersetzt sie nicht. Ob und wann eine Therapie endet, ist eine Entscheidung, die zu dir und deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten gehört — zu niemandem sonst.
Was ist der Unterschied zwischen Mentaltraining und Psychotherapie?
Psychotherapie ist Behandlung — sie gehört in die Hände von Therapeut:innen und ist stark darin, zu verstehen, woher etwas kommt. Mentaltraining ist Training für gesunde Menschen: Werkzeuge fürs tägliche Denken — morgens neu ausrichten, Grübelschleifen stoppen, den Tag reflektieren, mit Meditation und Muskelentspannung nach Jacobson in die Ruhe kommen. „Der Mentaltrainer ist nicht der Therapeut." Er trainiert.
Kann ich Mentaltraining parallel zu einer laufenden Therapie machen?
Genau dafür ist es gedacht: als Ergänzung. Die Therapiestunde ist einmal pro Woche — Mentaltraining füllt die 167 Stunden dazwischen mit Struktur: ein Impuls am Morgen, ein Werkzeug gegen das Grübeln, eine Reflexion am Abend. Viele Teilnehmer:innen erleben, dass beides zusammen mehr bewegt als eines allein. Sag deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten ruhig, dass du zusätzlich trainierst.
Warum dieser Fokus auf die Zukunft statt auf die Vergangenheit?
Weil Verstehen allein noch keine Richtung gibt. Die klinische Psychologin brachte es auf den Punkt: „Wir können tatsächlich herausfinden, wo das Problem herkommt. Aber wir haben keine Ahnung, was wir mit der Zukunft anfangen sollen." Dazu kommt: „Die Psyche kann mit so manchen Dingen aus der Vergangenheit unglaublich gut selbstständig aufräumen." Der Blick nach vorn ist kein Wegschauen — er ist der Teil, den dir niemand abnehmen kann.
Was steckt hinter der Kritik an der 50-Minuten-Stunde?
Die 50 Minuten sind Konvention, kein Forschungsergebnis — Freuds Praxisalltag plus Abrechnungslogik. Dazu kommt das „Door-Knob-Phenomenon": Das Wichtigste kommt oft erst, wenn die Hand schon an der Türklinke ist. Deshalb arbeitet eine wachsende Gruppe von Therapeut:innen bewusst mit langen Intensiv-Sitzungen — und aus demselben Grund dauern Wolfgangs Einzel-Coachings rund drei Stunden am Stück.
Ist Mentaltraining das Richtige, wenn es mir gerade richtig schlecht geht?
Nein — dann gehört zuerst professionelle Behandlung an deine Seite. Mentaltraining ist Training für gesunde Menschen und ersetzt keine Diagnose, keine Behandlung und kein Krisengespräch. Wenn dich seelische Schwere über längere Zeit nicht loslässt, wende dich an Hausarzt, Psychotherapeut:in oder eine Beratungsstelle. In akuten Krisen in Österreich: Telefonseelsorge 142 — rund um die Uhr, kostenlos.
Drei Wege weiter

Wenn du den Blick nach vorn nicht allein trainieren willst.

Die vier Werkzeuge sind schnell verstanden. 90 Tage dranbleiben, bis sie zur Gewohnheit werden — das ist die eigentliche Arbeit. Genau dafür gibt es drei Wege.

Wolfgangs Tipp
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Wolfgang Reichl-Furthner — Mentaltrainer
Wer steht dahinter

Wolfgang Reichl-Furthner — seit 20 Jahren Mentaltrainer.

30 Jahre Erwachsenenbildung. 20 Jahre Mentaltrainer. 350+ ausgebildete Diplom-Mentaltrainer:innen seit 2007. Keynote-Speaker, Inhaber des RE-agieren Instituts für Mentaltraining.

Sein Standpunkt in diesem Thema ist klar — und bewusst bescheiden: „Der Mentaltrainer ist nicht der Therapeut." Er hat größten Respekt vor guter therapeutischer Arbeit. Aber er hat in 20 Jahren auch hunderte Male gesehen, was passiert, wenn Menschen zusätzlich Werkzeuge für ihr tägliches Denken bekommen — und den Blick vom Woher zum Wohin drehen.

350+ Dipl. Mentaltrainer:innen Seit 2007 Österreich

Deine nächste Stunde ist erst nächste Woche. Dein nächster Morgen ist morgen.

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