Gedanken zum Mitnehmen: Drei Ziele auf einem Zettel — und zwanzig Jahre später die Frage, was davon wirklich geblieben ist. → Zum Interview

Ein Langzeit-Testimonial · Herbert Scheipl · AUFGEGANGEN #07

Er hat 2006 drei Ziele aufgeschrieben.
Heute hat er alle drei.

Selbständig werden. Ein Haus bauen. Mit seiner Jugendliebe zusammenkommen. Zwanzig Jahre später sitzt Herbert Scheipl auf einer Alm, schaut ins Tal — und merkt, dass die Liste abgehakt ist. Sein eigentlicher Satz kommt aber erst danach.

Das ganze Gespräch ansehen →
Ein Gespräch, kein Werbeversprechen. Herbert erzählt auch, was nicht funktioniert hat.
Herbert Scheipl in seiner Gesundheitspraxis neben dem Regal mit seinem Buch „Entspannung in Körper und Kopf“
Herbert Scheipl in seiner Praxis. Das Buch im Regal hat er selbst geschrieben.
2006
erstes Seminar bei Wolfgang
3 von 3
Zielen von damals erfüllt
~50.000
Behandlungen in seiner Praxis
Das Gespräch

„Bringt's was?“ — gefragt nach zwanzig Jahren.

Wolfgang sucht sich für diese Reihe Menschen, die vor langer Zeit bei ihm im Seminar waren, und stellt ihnen die unbequemste Frage, die es gibt: Hat das eigentlich etwas gebracht? Herbert ist dafür ein guter Fall — er sagt von sich selbst, dass er alles hinterfragt.

Warum er blieb
„Mich interessiert keiner, der sich im Ferrari filmt und sagt: kannst du auch schaffen, in 3 Wochen.“
Der Kipppunkt
„Mein Leben, das ab dann begonnen hat — dafür war ich selber verantwortlich.“
Die eigentliche Arbeit
„Ich hab gelernt, jemand zu werden, der mit den Zielen kompatibel ist.“
Das Prinzip
„Die Tür geht halt nur von innen auf.“
Bevor wir anfangen

Die Einwände, die du wahrscheinlich gerade hast.

Herbert hatte sie auch. Er sagt im Gespräch selbst, dass er der ist, der im Seminar immer nachbohrt.

Einwand 1
„Der ist eh ein Macher. Der hätte das auch ohne geschafft.“
Einwand 2
„So Seminare — da bist du zwei Wochen motiviert und dann ist es weg.“
Einwand 3
„Ich bin viel zu skeptisch für sowas. Räucherstäbchen sind nicht meins.“
Porträt von Herbert Scheipl vor dunklem Hintergrund
Herbert Scheipl, Inhaber der Scheipl Gesundheitspraxis.
Wie er überhaupt hingekommen ist

Mit 15 zur Post — weil das sicher war.

Herbert hat mit fünfzehn bei der Post angefangen. Nicht, weil er wollte. „Sondern einfach nur, weil ich wusste, was ich tun soll“ — der Vater war Gemeindebeamter und sagte, da hast du sicher einen Job.

Der Job war nicht schlecht. Aber irgendwann kam der Gedanke: Und das jetzt, bis ich sechzig bin? Oder fünfundsechzig? Und nach dem Gedanken kam das Gefühl.

„Schau, dass du den Absprung schaffst.“
Herbert Scheipl

Was ihn dann tatsächlich bewegt hat, war kein Seminar, sondern ein Buchtitel. Ein Patient empfahl ihm Viktor Frankl, „… trotzdem Ja zum Leben sagen“. Es war sein erstes Buch seit der Schulzeit — und danach war er Leser.

Erst Jahre später, 2006, ist er bei Wolfgang im Seminar gelandet. Skeptisch, wie er sagt. Und mit dem festen Vorsatz, nachzufragen.

Der Kern des Gesprächs

Er hat nicht gelernt, Ziele zu erreichen.
Er hat gelernt, jemand zu werden, der sie halten kann.

Das ist der Satz, um den sich die ganze Folge dreht — und der Grund, warum aus der Zielliste keine Erfolgsgeschichte wird, sondern etwas Unbequemeres.

„Da hat es sich insofern entwickelt, dass ich gelernt habe, wie man Ziele erreicht — aber vor allem gelernt habe, jemand zu werden, der dann mit den Zielen kompatibel ist.“
Herbert Scheipl

Er beschreibt es als Wand. Man geht Schritt für Schritt auf den Berg, das ist klar — aber irgendwann steht da etwas, wo es nicht weitergeht. Fachlich war Herbert immer sicher. Als Angestellter war er erfolgreich. Und dann macht er sich selbständig und muss zum ersten Mal seine eigene Leistung verkaufen.

Was hängen geblieben ist

Fünf Dinge, die er zwanzig Jahre später noch erzählt.

Nichts davon ist spektakulär. Alles davon ist Seminarinhalt.

01
Das Haus liegt vor der Tür — bauen musst du selbst
Das Bild, das er nach zwanzig Jahren noch wörtlich erzählt: Im Seminar bekommt man alle Bauteile für ein Haus, dazu die Anleitung. Und dann geht man jeden Tag daran vorbei. „Und dann sagt irgendwer: wieso hast du kein Haus? Früher hätt ich 1000 Ausreden gehabt. Ab da nimmer.“
02
Die Wand steht nicht im Weg. Sie steht in dir.
Verkaufen war für ihn das Thema, nicht das Können. „Ich hab mit zittrigen Händen das erste Geld entgegengenommen.“ Sein Fazit: es war nie ein Problem des Tuns, sondern eines der eigenen Überzeugungen — „nicht weil das Ziel falsch ist“.
03
Selbstwert ist keine Kür
Er sagt es an einer Stelle sehr nüchtern: Man kann seine Arbeit schlecht verkaufen, wenn der eigene Selbstwert von zehn möglichen bei null oder eins liegt. Und er zieht dieselbe Linie in die Partnerschaft: „Wenn ich mir selber gegenüber nicht liebevoll bin — wie soll das dann eine liebevolle Person neben mir aushalten?“
04
Erst lösen, dann weitergeben
„Alles, was ich erzähle, hab ich selber erlebt. Ich kenn den Weg, sonst tu ich es nicht.“ Deshalb macht er bewusst keine Ernährungsberatung — er weiß nicht, wie sich das anfühlt. Und deshalb hat er mit dem Mentalen lange gewartet: „Nein, so weit bist du noch nicht.“
05
Weniger ist die spätere Stufe
In der Praxis hat er von fünfzehn Techniken auf zwei reduziert. Nicht aus Bequemlichkeit — sondern weil er gemerkt hat, dass er auf zu vielen Stützen steht und deshalb nirgends ganz nach oben kommt. Dasselbe Muster wie im Seminar: erst alles kennen, dann weglassen.
06
Die Tür geht nur von innen auf
Sein Bild für die Grenze jeder Hilfe: „Du kannst mir gerne helfen, wir können sagen: schau, da ist ein Schlüssel, da ist das Loch, und da ist noch Öl, falls es nicht geht. Aber aufmachen darf man es selber.“
„
Mich interessiert keiner, der sich im Ferrari filmt und sagt: kannst du auch schaffen, in 3 Wochen. Sondern du hast gesagt: das ist eine Arbeit, das ist ein Weg.
Herbert Scheipl über das erste Seminar 2006
Herbert Scheipl am Berg bei Sonnenaufgang, dahinter eine Wiese und ein einzelner Baum
Die stärkste Stelle der Folge

Zwanzig Jahre später, am selben Ort.

Vor drei Jahren schenkt ihm seine Frau ein Schweige-Retreat auf einer Alm in Kärnten. Kein Reden, mehrmals täglich meditieren, dazwischen Pausen.

Er sitzt in der Natur und schaut ins Tal hinunter — auf genau den Betrieb, in dem er vor zwanzig Jahren gearbeitet hat. Dort unten ist er damals gesessen, mit den drei Zielen im Kopf.

„Und was ist draus geworden? Alle erfüllt.“

Und dann, im Gespräch mit dem Leiter des Retreats, rutscht ihm der Satz heraus, der das Interview trägt:

„Aber warum fühl ich es nicht?“

Genau da fängt für ihn die nächste Stufe an. Nicht noch ein Ziel — sondern ankommen können. Ein Ziel, sagt er, muss irgendwann eine Zufriedenheitsgrenze haben: „Das passt für mich, jetzt ist in Ordnung.“ Erst danach kommt das nächste.

Wolfgang gibt ihm darauf keine Lösung, sondern ein Bild: Der Mensch als Equalizer, dessen Regler bei der Geburt eingestellt wurden. In manchen Bereichen kommt man ganz weit hinauf, in anderen nie. Die Aufgabe sei, mit dem umzugehen, was zur Verfügung steht — statt ein Leben lang an einem Regler zu drehen, der dafür nicht vorgesehen ist.
Herbert Scheipl im Sportgewand vor einer Almhütte, den Zeigefinger vor dem Mund
Zehn Tage nicht reden. Und ausgerechnet dort kommt der Satz, der ihn seither beschäftigt.
Herbert Scheipl, Porträt vor dunklem Hintergrund
Wer Herbert Scheipl ist

Scheipl

Gesundheitspraxis

Herbert Scheipl ist seit rund 35 Jahren mit Menschen unterwegs — Therapie, Behandlung, Seminare. Gelernt hat er sein Handwerk unter anderem im Betrieb von Prof. Willi Dungl, damals mit Spitzensportlern. Mittlerweile sind es rund 50.000 Behandlungen.

Er steht um halb fünf auf und ist ab sechs in der Praxis — damit am Abend noch Zeit bleibt, seine Tochter ins Bett zu bringen. Auch das ist eine Entscheidung, über die er im Interview spricht.

Geschrieben hat er auch: „Entspannung in Körper und Kopf — Hole Dir Dein Vertrauen und pfeif auf die Kontrolle“. Er nennt es selbst eine Bedienungsanleitung. Was ihn daran freut, sind nicht die Rückmeldungen von denen, die es durchlesen — sondern von denen, die ein Kapitel nehmen und drei, vier Monate daran arbeiten.

„Ich schreibe eine Bedienungsanleitung — wie man Gewohnheiten ändert, wie man Glaubenssätze auflöst. Meine persönliche Geschichte.“
scheiplmassagen.at ansehen →
Herbert auf Instagram: @herbertscheipl
Transparenz: Wolfgang spricht im Interview aus eigenem Antrieb anerkennend über Herberts Arbeit. Es handelt sich um eine unbezahlte Empfehlung — es besteht keine geschäftliche Beteiligung und es fließt keine Provision. Herbert Scheipl führt eine Gesundheitspraxis; sein Beruf ist nicht Mentaltraining.
Ehrlich gefragt

Die naheliegenden Fragen — ehrlich beantwortet.

Bringt Mentaltraining wirklich etwas — oder ist das nach zwei Wochen wieder weg?
Herbert war 2006 zum ersten Mal im Seminar. Das Interview ist von 2026 — zwanzig Jahre später. Er zitiert darin Bilder aus dem Seminar wörtlich und beschreibt, wo sie in seinem Alltag gelandet sind. Das ist kein Beweis für eine Wirkung bei anderen Menschen. Es ist eine einzelne Erfahrung, erzählt von jemandem, der seither zwanzig Jahre damit gelebt hat.
Er ist doch ohnehin ein Macher — hätte er das nicht auch ohne geschafft?
Das lässt sich nicht beantworten, und Herbert behauptet es auch nicht. Was er schildert, ist konkreter: Fachlich war er immer sicher, verkaufen konnte er nicht. Er beschreibt, wie er das erste Geld mit zittrigen Händen entgegengenommen hat. Sein Satz dazu: es sei nie ein Problem des Tuns gewesen, sondern eines der eigenen Überzeugungen.
Ich bin skeptisch bei so etwas. Ist das dann nichts für mich?
Herbert nennt sich selbst jemanden, der viel hinterfragt und in jedem Seminar nachbohrt. Beim ersten Mal hat ihn schon der Kerzenschein irritiert. Warum er trotzdem geblieben ist, sagt er so: „Mich interessiert keiner, der sich im Ferrari filmt und sagt, kannst du auch schaffen in 3 Wochen. Sondern du hast gesagt: das ist eine Arbeit, das ist ein Weg.“ Skepsis ist im Seminar kein Störfaktor.
Ist Herbert Scheipl heute Mentaltrainer?
Er hat nach mehreren Basisseminaren auch die Ausbildung gemacht. Sein Beruf ist und bleibt aber die Gesundheitspraxis. Was er an Mentalem weitergibt, gibt er dort weiter — in Gesprächen, in Übungen zum Mitnehmen und in seinem Buch. Er bietet kein eigenes Mentaltraining als Hauptleistung an.
Was genau hat er aus dem Seminar mitgenommen?
Vor allem das Bild vom Haus: Man bekommt sämtliche Bauteile und eine Anleitung — bauen muss man selbst. Sein Fazit: „Früher hätt ich 1000 Ausreden gehabt. Ab da nimmer.“ Dazu die Arbeit am eigenen Selbstwert, ohne die er sich seine Leistung nicht hätte verkaufen können. Und ein Zitat von Goethe, das ihm jemand mitgegeben hat und das seine Partnerschaft verändert hat: „Ich liebe dich — was geht es dich an.“
Und wenn es mir gerade wirklich schlecht geht?
Dann ist ein Seminar nicht der erste Schritt. Wenn dich Grübeln, Erschöpfung oder eine seelische Belastung über längere Zeit begleiten, wende dich bitte zuerst an deine Hausärztin, deinen Hausarzt, an eine Psychotherapeutin oder eine Beratungsstelle. Mentaltraining ist Training für gesunde Menschen, die ihr Leben bewusster gestalten wollen — es ist keine Therapie und ersetzt keine Behandlung.
Wenn du es selbst ausprobieren willst

Drei Wege, es selbst zu erleben.

Herbert hat klein angefangen und ist mehrfach wiedergekommen — erst das Basisseminar, drei, vier Mal, später die Ausbildung. Er nennt das seine Lernphasen. Damals ging das nur in Präsenz; heute gibt es dieselben Inhalte auch online.

Der Einstieg
Mentaltraining Basismodul 1
€ 4982 Tage · Modul 1 der Ausbildung
Zwei Tage live mit Wolfgang und einer Gruppe, inklusive Vollpension und Zertifikat. Der kleinste sinnvolle Schritt, wenn du erst einmal wissen willst, wovon Herbert im Interview redet. Kein Vorwissen nötig.
Zu Basismodul 1 →
Herberts Weg
Der Weg, den er gegangen ist
Mentaltrainer-Ausbildung — live
€ 2.998Online-Ausbildung + Basismodul 1 + 2 · einzeln € 3.194
Die vollständige Ausbildung zum Dipl. Mentaltrainer — in Präsenz, mit Wolfgang und der Gruppe. Herbert hat diese Ausbildung gemacht, nachdem er das Basisseminar mehrfach besucht hatte. Eine Online-Variante gab es damals noch nicht.
Format „live“ wählen →
Dieselben Inhalte, von zu Hause
Mentaltrainer-Ausbildung — online
€ 1.998
Alle Inhalte der Ausbildung, aber in deinem Tempo und ortsunabhängig. Mit Diplomarbeit und Abschluss. Für alle, die sich einen fixen Seminarkalender nicht einrichten können — Herbert steht seit Jahren um halb fünf auf, weil sein Kalender anders nicht aufgeht.
Zur Ausbildung →
Wolfgang Reichl-Furthner, nachdenklich, die Hand am Kinn
Wolfgang führt die Reihe AUFGEGANGEN — Gespräche mit Menschen, die vor langer Zeit bei ihm im Seminar waren.

Wolfgang Reichl-Furthner — seit 20 Jahren Mentaltrainer.

Wolfgang führt das RE-agieren Institut für Mentaltraining in Österreich und bildet seit 2007 Mentaltrainer:innen aus — mittlerweile über 350 Diplom-Absolvent:innen.

Warum er diese Reihe macht, sagt er gleich zu Beginn: Er stellt sich der Grundfrage, ob Mentaltraining etwas bringt — und zwar nicht bei Menschen, die gerade begeistert aus dem Seminar kommen, sondern bei welchen, die vor langer, langer Zeit da waren.

Was ihm an Herbert aufgefallen ist, sagt er ihm im Gespräch direkt: dass er das Mentale nicht für sich behalten, sondern in seine Arbeit mitgenommen und weitergegeben hat. „Dass dieses mentale Pflänzchen nicht untergeht.“

350+ Diplom-Mentaltrainer:innen seit 2007 Online & Live Österreich

Die Bauteile liegen bereit. Bauen musst du selbst.

Das ist Herberts Bild aus dem Seminar von 2006, und er erzählt es zwanzig Jahre später noch. Wenn du wissen willst, was in diesem Stapel drin ist: Die Ausbildung ist der Weg, den er gegangen ist.

Die Mentaltrainer-Ausbildung ansehen →
350+ Diplom-Mentaltrainer:innen seit 2007 · Online & Live
AUFGEGANGEN

Noch ein Gespräch? Hier sind die anderen.

Jede Folge ist ein Mensch, der vor Jahren bei Wolfgang in der Mentaltraining-Ausbildung oder im Seminar war. Und jedes Mal dieselbe Frage: Hat das eigentlich etwas gebracht?

Alle Folgen der Reihe ansehen →