Selbständig werden. Ein Haus bauen. Mit seiner Jugendliebe zusammenkommen. Zwanzig Jahre später sitzt Herbert Scheipl auf einer Alm, schaut ins Tal — und merkt, dass die Liste abgehakt ist. Sein eigentlicher Satz kommt aber erst danach.
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Wolfgang sucht sich für diese Reihe Menschen, die vor langer Zeit bei ihm im Seminar waren, und stellt ihnen die unbequemste Frage, die es gibt: Hat das eigentlich etwas gebracht? Herbert ist dafür ein guter Fall — er sagt von sich selbst, dass er alles hinterfragt.
Herbert hatte sie auch. Er sagt im Gespräch selbst, dass er der ist, der im Seminar immer nachbohrt.
Herbert hat mit fünfzehn bei der Post angefangen. Nicht, weil er wollte. „Sondern einfach nur, weil ich wusste, was ich tun soll“ — der Vater war Gemeindebeamter und sagte, da hast du sicher einen Job.
Der Job war nicht schlecht. Aber irgendwann kam der Gedanke: Und das jetzt, bis ich sechzig bin? Oder fünfundsechzig? Und nach dem Gedanken kam das Gefühl.
Was ihn dann tatsächlich bewegt hat, war kein Seminar, sondern ein Buchtitel. Ein Patient empfahl ihm Viktor Frankl, „… trotzdem Ja zum Leben sagen“. Es war sein erstes Buch seit der Schulzeit — und danach war er Leser.
Erst Jahre später, 2006, ist er bei Wolfgang im Seminar gelandet. Skeptisch, wie er sagt. Und mit dem festen Vorsatz, nachzufragen.
Das ist der Satz, um den sich die ganze Folge dreht — und der Grund, warum aus der Zielliste keine Erfolgsgeschichte wird, sondern etwas Unbequemeres.
Er beschreibt es als Wand. Man geht Schritt für Schritt auf den Berg, das ist klar — aber irgendwann steht da etwas, wo es nicht weitergeht. Fachlich war Herbert immer sicher. Als Angestellter war er erfolgreich. Und dann macht er sich selbständig und muss zum ersten Mal seine eigene Leistung verkaufen.
Nichts davon ist spektakulär. Alles davon ist Seminarinhalt.
Vor drei Jahren schenkt ihm seine Frau ein Schweige-Retreat auf einer Alm in Kärnten. Kein Reden, mehrmals täglich meditieren, dazwischen Pausen.
Er sitzt in der Natur und schaut ins Tal hinunter — auf genau den Betrieb, in dem er vor zwanzig Jahren gearbeitet hat. Dort unten ist er damals gesessen, mit den drei Zielen im Kopf.
Und dann, im Gespräch mit dem Leiter des Retreats, rutscht ihm der Satz heraus, der das Interview trägt:
Genau da fängt für ihn die nächste Stufe an. Nicht noch ein Ziel — sondern ankommen können. Ein Ziel, sagt er, muss irgendwann eine Zufriedenheitsgrenze haben: „Das passt für mich, jetzt ist in Ordnung.“ Erst danach kommt das nächste.
Herbert Scheipl ist seit rund 35 Jahren mit Menschen unterwegs — Therapie, Behandlung, Seminare. Gelernt hat er sein Handwerk unter anderem im Betrieb von Prof. Willi Dungl, damals mit Spitzensportlern. Mittlerweile sind es rund 50.000 Behandlungen.
Er steht um halb fünf auf und ist ab sechs in der Praxis — damit am Abend noch Zeit bleibt, seine Tochter ins Bett zu bringen. Auch das ist eine Entscheidung, über die er im Interview spricht.
Geschrieben hat er auch: „Entspannung in Körper und Kopf — Hole Dir Dein Vertrauen und pfeif auf die Kontrolle“. Er nennt es selbst eine Bedienungsanleitung. Was ihn daran freut, sind nicht die Rückmeldungen von denen, die es durchlesen — sondern von denen, die ein Kapitel nehmen und drei, vier Monate daran arbeiten.
Herbert hat klein angefangen und ist mehrfach wiedergekommen — erst das Basisseminar, drei, vier Mal, später die Ausbildung. Er nennt das seine Lernphasen. Damals ging das nur in Präsenz; heute gibt es dieselben Inhalte auch online.
Wolfgang führt das RE-agieren Institut für Mentaltraining in Österreich und bildet seit 2007 Mentaltrainer:innen aus — mittlerweile über 350 Diplom-Absolvent:innen.
Warum er diese Reihe macht, sagt er gleich zu Beginn: Er stellt sich der Grundfrage, ob Mentaltraining etwas bringt — und zwar nicht bei Menschen, die gerade begeistert aus dem Seminar kommen, sondern bei welchen, die vor langer, langer Zeit da waren.
Was ihm an Herbert aufgefallen ist, sagt er ihm im Gespräch direkt: dass er das Mentale nicht für sich behalten, sondern in seine Arbeit mitgenommen und weitergegeben hat. „Dass dieses mentale Pflänzchen nicht untergeht.“
Das ist Herberts Bild aus dem Seminar von 2006, und er erzählt es zwanzig Jahre später noch. Wenn du wissen willst, was in diesem Stapel drin ist: Die Ausbildung ist der Weg, den er gegangen ist.
Die Mentaltrainer-Ausbildung ansehen →Jede Folge ist ein Mensch, der vor Jahren bei Wolfgang in der Mentaltraining-Ausbildung oder im Seminar war. Und jedes Mal dieselbe Frage: Hat das eigentlich etwas gebracht?