Das sagen Kolleginnen und Kollegen aus anderen Abteilungen, wenn sie zu Gabi ins Team wollen. Sie leitet ein IT-Projektteam. Vor rund zwanzig Jahren war sie bei Wolfgang im Seminar. Seither hat sie keinen einzigen Kurs gehalten. „Dafür bin ich nicht die Richtige“, sagt sie. Genau deshalb ist ihre Antwort auf die Frage interessant.
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Das ist Wolfgangs eigene Formulierung für diese Reihe. Er fragt nicht den, der begeistert aus dem Seminar kommt („weil der ist begeistert“), sondern Menschen, bei denen es Jahre her ist. Bei Gabi sind es rund zwanzig. Und ihre Antwort ist deshalb interessant, weil sie mit dem Gelernten nie einen Cent verdient hat. Sie hat es nur benutzt.
Die meisten Belege für so eine Ausbildung sehen gleich aus: jemand macht sie, wird Trainerin, baut ein Angebot auf und erzählt davon. Bei Gabi fällt dieser ganze Teil weg. Sie hält keinen Kurs und hat von diesem Gespräch nichts. Übrig bleibt die unbequemere Frage: Was macht so ein Seminar mit jemandem, der danach einfach weiterarbeitet?
Wie sie damals auf Wolfgang gestoßen ist, weiß sie selbst nicht mehr. „Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf die Seite gekommen bin“. Nur, dass es sofort gepasst hat. Sie sagt: es ist sofort in Resonanz gegangen.
Was sie gesucht hat, beschreibt sie ziemlich genau. Jemanden, der sie so weit anstupst, dass sie es danach selber kann.
Leicht war es nicht. Wolfgang erinnert sich im Gespräch daran, dass es für sie damals „nicht ganz so einfach“ war. Das erste Seminar sei eine echte Herausforderung gewesen. Sie hat trotzdem weitergemacht. Und danach eben nicht das, was viele erwarten: Sie hat keinen Kurs gehalten, keine Prüfung zum Beruf gemacht, nichts aufgebaut. Sie ist in ihren Job zurück. Mit einem Unterschied, den sie in einem Wort zusammenfasst: Rezept.
An einer Stelle im Gespräch sagt Wolfgang etwas, das ihm sonst selten jemand abnimmt: dass es ihm nie darum ging, Mentaltrainer:innen zu produzieren. Gabi ist der Beleg dafür. Sie ist keine geworden und war trotzdem im richtigen Seminar.
Sätze, wie sie im Gespräch gefallen sind. Von Gabi und von Wolfgang.
Gabriele Marsoun leitet ein IT-Projektteam und baut gerade ein zweites auf, international, mit Menschen aus mehreren Kulturen. Das ist ihr Beruf, und den hatte sie auch vor zwanzig Jahren schon. Verändert hat sich, wie sie ihn macht.
Sie besetzt nach Stärken statt nach Verfügbarkeit und achtet darauf, Frauen in die IT zu holen: „Mädels in der IT sind auch nicht so oft“. Einmal im Monat gibt es ein gemeinsames Homeoffice bei ihr daheim: erst die Themen, die man wirklich miteinander besprechen muss, danach ein Spieleabend. Über das Ergebnis sagt sie: „Das ist ein Teamzusammenhalt, den kannst du nirgends aufsetzen. Der entsteht.“
Die Leute, die sie neu bekommt, kommen oft aus Situationen, die sie als eingesperrt beschreibt: Sie sehen, dass etwas falsch läuft, sagen es, und hören, dass es trotzdem anders gemacht wird. Was Gabi ihnen zuerst gibt, ist eine Erlaubnis: untereinander Dinge abzusprechen und einander etwas zu sagen. „Die sind ja auch schon so: Ich darf wem anderen nichts sagen.“
Sie nennt das ausdrücklich nicht Mentaltraining. „Aber das ist nicht, weil ich Mentaltrainerin bin oder weil ich irgendwelche Kurse halten kann, sondern einfach das Gespür im Team weitergeben.“
Am Ende jeder Folge dieser Reihe spricht Wolfgang eine Empfehlung für den Gast aus, unbezahlt und offen gekennzeichnet. Bei den meisten steht an dieser Stelle dann eine Website, ein Instagram-Profil, eine Adresse.
Bei Gabi steht nichts. Weil sie das so wollte. Auf die Frage, was von ihr verlinkt werden soll, kam die Antwort: keine Verlinkungen. Sie habe einfach ihre Geschichte erzählt, mehr nicht.
Buchen kann man sie nicht, Kurse hält sie keine, und für dieses Gespräch hat sie nichts bekommen. Nach rund zwanzig Jahren hat sie mit dem Gelernten keinen einzigen Euro verdient.
Das ist unbequem für eine Seite, die etwas verkaufen will, und gleichzeitig das Beste, was ihr passieren kann. Wer nichts davon hat, hat auch keinen Grund zu übertreiben.
Wenn dir das gefallen hat, dann hab ich was. Ich hab Leute, mit denen ich mal gearbeitet habe, die nach zehn Jahren noch sagen: „Hey, wir haben letzte Woche über dich gesprochen.“ Obwohl ich mit denen zwischendurch nicht geredet habe, außer bei den Interviews, die du gerade gesehen hast.
Wenn es in deinem Leben irgendwas gibt, das schon seit Jahren gleich läuft, und du merkst, du willst das so nicht mehr: Jetzt ist der Moment, noch mal was für dich zu tun.
Gabi hat damals auch nicht gewusst, was daraus wird. Sie wollte es probieren. Mehr brauchst du für das erste Gespräch auch nicht.
Mentaltrainer, Inhaber des RE-agieren Instituts für Mentaltraining. Seit 2007 bildet er Mentaltrainer:innen aus. Über 350 haben inzwischen ihr Diplom.
Sein Anspruch steht in dieser Folge in einem Satz, den er über seine Seminare sagt: „Meine Intention war nie, dass ich dann nur ausgebildete Mentaltrainer hab.“ Er will keinen Nachwuchs. Er will, dass jemand sich selber findet. Sein Nachsatz, halb im Scherz: „Einen zweiten Reichl braucht man sowieso nicht.“
Die Reihe AUFGEGANGEN ist der Versuch, die eigene Arbeit ehrlich zu prüfen: Er setzt sich mit Menschen zusammen, die vor Jahren bei ihm waren, und fragt sie, was davon übrig ist. Seine Formulierung dafür: „Bringt das Mentaltraining was? Geht das auch auf, oder ist es eine Seifenblase, die irgendwo zerplatzt?“
Bei Gabi hat das mit einem Seminar angefangen, und sie hat sich damals nichts vorgenommen. Bei dir reicht fürs Erste ein Telefonat: 15 Minuten, kostenlos, du suchst dir den Termin aus.
Termin aussuchen →Jede Folge ist ein Mensch, der vor Jahren bei Wolfgang in der Mentaltraining-Ausbildung oder im Seminar war. Und jedes Mal dieselbe Frage: Hat das eigentlich etwas gebracht?